Wittenberg 2017 - wir sind bereit

Die Feiern zum Reformationsjubiläum in Wittenberg werden zweifelsohne einer der größten Einsätze, welche die BOS in Sachsen-Anhalt zu bewältigen haben. Besucherzahlen, die die Einwohnerzahl Wittenbergs um ein Vielfaches übertreffen, werden erwartet. Geschätzt 300.000 könnten es werden.

 

Eine Herausforderung für alle - Organisatoren, Polizei, Stadt und Landkreis sowie zahlreiche Hilfsorganisationen. Um das Jubiläum erfolgreich zu bewältigen, bedarf es aber nicht nur vieler Einsatzkräfte, mindestens genauso wichtig ist die Möglichkeit, dass alle Einsatzkräfte miteinander kommunizieren können. Eine sehr wichtige Rolle wird dabei der Digitalfunk BOS spielen.

 

Schon frühzeitig ging die Autorisierte Stelle (AS) auf beteiligte BOS der Polizei von Bund und Land sowie des Landkreises zugegangen. Im Rahmen von Informationsveranstaltungen wurden die Möglichkeiten aber auch Grenzen des Digitalfunk BOS präsentiert. Beteiligt wurden in gemeinsamen Veranstaltungen und Telefonkonferenzen selbstverständlich auch die BDBOS, die Betreiberin des Digitalfunknetzes sowie die Systemtechniklieferantin.

Hierbei wurden vor allem die typischen einsatzvorbereitenden, begleitenden und nachzubereitenden Maßnahmen erörtert. Sensibilisiert wurde zudem die Leitungsproviderin der betroffenen Anbindungsstrecken und die Dienstleisterin des Facility-Managements, um im Fall des Falles schnelle Hilfe gewährleisten zu können.

 

Zwar lagen zum Redaktionsschluss noch keine endgültigen Zahlen vor, wie viele Kräfte den Digitalfunk BOS im Einsatzraum nutzen werden, sicher ist jedoch, dass es einen vergleichbaren Einsatz in Sachsen-Anhalt noch nicht gab. Es werden mehrere tausend Einsatzkräfte verschiedenster BOS sein, welche die bisher größte Anzahl Digitalfunkgeräte in LSA in einen Einsatz bringen. Dabei werden durch die Nutzung verschiedenster Rufgruppen die zur Verfügung stehenden Funkressourcen maximal ausgeschöpft.

Mit den normalen Kapazitäten, welche die Basisstationen im Bereich Wittenberg bereithalten, ist dieser Einsatz kaum zu bewältigen. Diese Kapazitäten sind für die Alltagsanforderungen der BOS ausgelegt und bieten zusätzlich noch Reserven für Einsätze mit erhöhten Anforderungen.

 

Ein so großer Einsatz, wie der zum Reformationsjubiläum ist damit wohl nicht zu bewältigen. Aber selbst in Ballungsgebieten, mit den dort eher erhöhten Kapazitäten, wäre solch ein Großeinsatz nicht ohne zusätzliche Maßnahmen realisierbar. Zur Erhöhung der Kapazitäten werden verschiedene Maßnahmen in Angriff genommen.

 

Gemeinsam mit der BDBOS und deren Betreiberin des BOS-Digitalfunknetzes sowie der Systemtechniklieferantin werden durch die Autorisierte Stelle (AS ST) die Kapazitäten der Basisstationen im Einsatzraum erhöht. Da aber selbst damit die zu erreichenden Kapazitäten als nicht ausreichend zu bewerten sind, wird in unmittelbarer Nähe zur Veranstaltung zusätzlich eine mobile Basisstation als Hochkapazitätsfunkzelle zum Einsatz gebracht.

 

Für die Dauer der Veranstaltungen im Mai wird diese mobile Basisstation in das bestehende Digitalfunknetz integriert und versorgt so als präsentes Netzelement vorrangig den Einsatzraum entlang der Elbwiesen und des dort zu errichtenden Camps für die Veranstaltungsbesucher. Eine mobile Basisstation wird erstmalig in Sachsen-Anhalt eingesetzt, hat sich aber bereits bei großen Einsätzen in anderen Bundesländern bewährt. Diese temporäre Möglichkeit zur Netzerweiterung wird im Rahmen der Amtshilfe durch niedersächsischen Kollegen der ASDN bereitgestellt, in Stellung gebracht und in Betrieb genommen. Die Nutzer werden von dieser zusätzlichen Basisstation nichts bemerken, denn durch die Integration in das Netz müssen die Nutzer einfach nur wie sonst üblich weiter Ihre Funkgeräte nutzen. Zusätzliche Schaltungen an den Endgeräten sind nicht notwendig.



Vorbereitet wird auch jetzt bereits, was im Fall von Problemen getan werden kann, damit die Versorgung möglichst gar nicht erst ausfällt bzw. schnellstmöglich wieder hergestellt werden kann. Dazu wird die Autorisierte Stelle über den gesamten Zeitraum die Netzauslastung im Einsatzraum überwachen und nötigenfalls erforderliche und geeignete Maßnahmen selbst durchführen oder zur Störungsbeseitigung anzeigen. Die Dienstverrichtung der Mitarbeiter der Autorisierten Stelle wird zum Schwerpunkt der Einsatzzeit an einer zu bildendenden BAO ausgerichtet und den Erfordernissen angepasst. Eines steht zum jetzigen Zeitpunkt bereits deutlich fest: die Nutzung von nicht zugewiesenen Rufgruppen durch die eingesetzten Kräfte kann nicht geduldet werden und wird bei Feststellung durch Deaktivierung geahndet. Zu groß ist die Gefahr, dass durch die unberechtigte Nutzung von „eingeschleppten“ Rufgruppen die reguläre Einsatzkommunikation negativ beeinträchtigt wird. Darüber hinaus werden sich Techniker der Systemtechniklieferantin im Einsatzraum befinden, um unvorhergesehene technische Probleme oder auftretende Störungen umgehend zu beheben. Auch ein möglicher Ausfall der Stromversorgung im Einsatzraum ist bei den Planungen beachtet worden. Die im Einsatzraum befindlichen Basisstationen werden vom TPA mit Notstromaggregaten ausgestattet und können die Basisstationen bei entsprechender Organisation auch über mehrere Tage mit Strom versorgen. Alle Vorbereitungen ersetzen jedoch eines nicht – die Einhaltung der Funkdisziplin durch alle Einsatzkräfte! Dies und die Beachtung seitens der AS bekanntzugebender funktaktischer Hinweise können vermeiden helfen, dass das Netz unnötig belastet wird. In Hochlastsituationen werden aufgrund der zahlreich zur Nutzung begehrten Rufgruppen nicht alle Teilnehmer gleichzeitig sprechen können. Sie teilen sich hochverfügbare, jedoch endliche Kapazitäten: Ein Netz für Alle!